Drei Zahlen tauchen in fast jedem Video über Wärmepumpen und Solaranlagen auf: der Förderbetrag, die Ersparnis in Prozent und die Amortisationszeit. Alle drei altern schlecht, und eine Aufnahme, die zwölf Monate laufen soll, altert mit ihnen.

Das ist kein Formulierungsproblem. Es ist der Grund, warum viele Kampagnen in dieser Kategorie nach einem halben Jahr stillgelegt und neu gedreht werden.

Warum diese drei Zahlen im Video nicht funktionieren

Sie sind nicht falsch, wenn man sie ausspricht. Sie werden falsch, während die Aufnahme läuft, und niemand bemerkt den Moment.

Der Förderbetrag

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude ist ein Programm mit Bedingungen, Boni und Antragswegen, und ihre Parameter werden politisch fortgeschrieben. Eine gesprochene Prozentzahl ist damit eine Momentaufnahme, die im Video weiterlebt, nachdem sie sich geändert hat.

Dazu kommt, dass der individuelle Betrag von Voraussetzungen abhängt, die im Bild nicht sichtbar sind. Zwei Haushalte mit derselben Anlage bekommen nicht dasselbe.

Die haltbare Fassung nennt das Programm beim Namen und verweist auf die amtliche Seite. Sie verliert einen Prozentwert und gewinnt dafür, dass sie in einem Jahr noch stimmt.

Die Ersparnis in Prozent

Eine Einsparung entsteht aus dem Verbrauch davor, dem Zustand des Gebäudes, dem Nutzerverhalten und dem Preis der Energieträger. Drei dieser vier Größen ändern sich, ohne dass das Produkt sich ändert.

Wer eine Zahl nennt, macht eine Aussage über einen fremden Haushalt, den er nicht kennt. Das ist der Punkt, an dem eine Werbeaussage angreifbar wird.

Die haltbare Fassung erzählt einen konkreten Fall mit seinem Ausgangszustand statt eine Zahl ohne Bezug: welche Heizung vorher da war, wie alt das Haus ist, was sich geändert hat. Ein benannter Einzelfall ist ehrlicher als ein Durchschnitt, der für niemanden gilt.

Die Amortisationszeit

Sie ist das Produkt der beiden vorherigen Zahlen und erbt beide Unsicherheiten. Sie klingt am überzeugendsten und ist am wenigsten haltbar.

Die haltbare Fassung ersetzt sie durch das, was die Beratung liefert: eine Rechnung für dieses Gebäude, mit Annahmen, die man nachlesen kann. Das Video verspricht die Rechnung, nicht das Ergebnis.

Was sich zeigen lässt, ohne zu beziffern

Die gute Nachricht ist, dass fast alles, was diese Kategorie verkauft, gar keine Zahl braucht.

Der Ablauf. Erstberatung, Begehung, Angebot, Termin, Installation, Inbetriebnahme. Wer den Weg kennt, hat weniger Angst davor.

Der Eingriff ins Haus. Wo gebohrt wird, wie lange die Heizung aus ist, was am Ende sichtbar bleibt, wie viel Platz das Gerät braucht.

Das Geräusch. Bei Wärmepumpen die meistgestellte Frage überhaupt, und die einzige Kategorie von Antwort, die ein Video besser gibt als jeder Text: eine Aufnahme ohne Musik, aus der Entfernung, in der der Nachbar steht.

Die Menschen. Wer kommt ins Haus, wie viele sind es, wie lange bleiben sie, wie wird aufgeräumt.

Jeder dieser vier Punkte beantwortet eine Frage, die vor der Kaufentscheidung steht und die kein Datenblatt beantwortet. Zusammen ergeben sie ein Video, das nichts behauptet und trotzdem verkauft, weil es die Hürde senkt, überhaupt einen Termin zu vereinbaren.

Die Geräuschfrage verdient eine eigene Aufnahme

Sie ist bei Wärmepumpen die am häufigsten gestellte Frage und die am schlechtesten beantwortete, weil die üblichen Antworten aus Dezibelwerten bestehen, mit denen niemand etwas anfangen kann.

Was funktioniert, ist eine Aufnahme aus der Entfernung, in der der Nachbar steht, ohne Musik, mit sichtbarem Gerät im Bild, damit klar ist, dass nicht geschnitten wurde. Dazu eine zweite aus dem geschlossenen Schlafzimmer.

Diese beiden Einstellungen kosten fünf Minuten am Drehtag und ersetzen einen Absatz, den ohnehin niemand glaubt. Sie sind zugleich das beste Beispiel für das Prinzip dieser Kategorie: nicht behaupten, sondern hörbar machen.

Der Einwand aus dem Vertrieb

«Ohne Zahlen bleibt niemand stehen.» Das ist die häufigste Reaktion auf diesen Ansatz, und sie stimmt für die erste Sekunde.

Sie unterschlägt jedoch, wer in dieser Kategorie kauft. Eine Investition dieser Größe wird nicht impulsiv ausgelöst, sondern nach Wochen des Vergleichens. In dieser Phase gewinnt nicht die größte Zahl, sondern die Marke, die als einzige nichts behauptet hat, was sich später als unhaltbar erwies. Der Verzicht auf die Zahl ist hier ein Positionierungsvorteil und kein Verzicht.

Das Haus entscheidet, nicht das Produkt

Diese Kategorie hat eine Besonderheit, die Kampagnen regelmäßig unterschätzen: dieselbe Anlage ist im einen Gebäude die richtige Lösung und im anderen nicht. Das Video kann diese Prüfung nicht ersetzen und sollte gar nicht erst so tun.

Daraus folgt eine saubere Arbeitsteilung zwischen dem, was in die Aufnahme gehört, und dem, was in das individuelle Angebot gehört.

Gehört ins VideoGehört ins Angebot
der Ablauf von der Beratung bis zur Inbetriebnahmeder Preis für dieses Gebäude
der bauliche Eingriff, sichtbar gemachtdie Auslegung und die Vorlauftemperatur
das Betriebsgeräusch, unbearbeitetder individuelle Förderweg und der Antrag
die Frage, die man dem Fachbetrieb stelltdie Einsparung für diesen Haushalt

Diese Trennung ist kein juristischer Vorbehalt, sondern eine Konversionsentscheidung: das Video verkauft den nächsten Schritt, nicht die Anlage.

Der Ton, der zu dieser Kategorie passt

Es ist eine der wenigen Kategorien, in denen Zurückhaltung besser wirkt als Begeisterung. Wer über eine Heizung spricht, spricht über eine Baustelle im eigenen Haus, über Handwerker, über Dreck und über viel Geld.

Ein Video im Tonfall einer Produkteinführung passt dazu nicht. Ein ruhiges Gespräch in einem Keller passt, und es ist billiger zu drehen.

Der lange Zyklus und was er am Briefing ändert

Zwischen dem ersten Video und der Unterschrift liegen in dieser Kategorie Wochen bis Monate. Wer für einen Direktkauf dreht, dreht am Bedarf vorbei.

Praktisch heißt das dreierlei. Der Handlungsaufruf ist die Beratung und nicht der Kauf. Die Aufnahmen müssen mehrfach verwendbar sein, weil dieselbe Person das Video mehrmals sieht, bevor sie handelt. Und es braucht Material für die späten Phasen, nicht nur für die erste Aufmerksamkeit: was passiert am Installationstag, wie ist der erste Winter, was sagt jemand nach zwei Heizperioden.

Der dritte Punkt ist der, an dem die meisten Budgets falsch verteilt sind. Ein Dreh liefert fünf Varianten für die erste Aufmerksamkeit und nichts für den Moment, in dem jemand drei Angebote nebeneinanderlegt. Dabei ist genau das die Phase, in der eine Marke verloren geht, und sie braucht anderes Material: eine Begehung ohne Musik, eine ruhige Antwort auf die Geräuschfrage, ein Haushalt, der ein Jahr später noch einmal erzählt.

Wer nur einmal drehen kann, dreht deshalb besser einen langen Tag mit vielen ruhigen Einstellungen als drei kurze mit vielen Effekten.

Was die Marke schriftlich liefert

In dieser Kategorie kann die Person vor der Kamera nicht selbst entscheiden, was sagbar ist. Fünf Dinge kommen deshalb aus dem Unternehmen und nicht vom Set.

  1. Der Name des Förderprogramms und die amtliche Seite dazu, ohne Betrag in der Tonspur.
  2. Der Ausgangszustand des gezeigten Hauses, falls ein konkreter Fall erzählt wird.
  3. Die Liste der Aussagen, die ohne Rückfrage verwendet werden dürfen.
  4. Der Handlungsaufruf, der die Beratung meint und nicht den Kauf.
  5. Das Datum der letzten Prüfung, damit erkennbar bleibt, wann die Aussagen zuletzt gegen die Quelle gehalten wurden.

Der fünfte Punkt wirkt bürokratisch und ist der nützlichste: er sagt einem halben Jahr später, ob die Kampagne noch laufen darf.

Wer gefilmt wird

Zwei Rollen, und die meisten Kampagnen nutzen nur eine.

Der Haushalt trägt die Glaubwürdigkeit. Er darf zeigen, was er erlebt hat, und sollte nicht rechnen.

Der Fachbetrieb trägt die Kompetenz. Die Person, die installiert, beantwortet technische Fragen mit einer Selbstverständlichkeit, die keine Agentur nachbaut, und sie kann Grenzen benennen, was der Marke mehr nützt als Begeisterung.

Die Kombination ist stärker als beide einzeln, und sie ist billiger als ein Dreh mit Schauspielern.

Quellen

Geprüft am 10. September 2026. Förderparameter ändern sich; jede bezifferte Aussage gehört vor der Veröffentlichung erneut an der amtlichen Quelle geprüft.