Tropisches Licht ist das beste und das tückischste der Welt. In Costa Rica hast du um sieben Uhr morgens perfektes Licht und zehn Minuten später geschlossene Wolken. Mit ihm zu arbeiten statt gegen es ist das eigentliche Können.
Zuerst das Fenster
Stell dich zum Fenster hin, mit der Kamera zwischen dir und der Scheibe. Nicht seitlich, nicht mit dem Rücken dazu. Mit dem Rücken wirst du zur Silhouette, und diese eine Entscheidung ruiniert mehr Stücke als alles andere.
Such indirektes Licht: bewölkter Himmel oder eine beleuchtete Wand, nicht Sonne, die dich frontal trifft.
Die tropische Mittagssonne
Zwischen elf und zwei fällt die Sonne fast senkrecht. Das ist das schlechteste Licht für ein Gesicht: Es gräbt Schatten unter die Augen, brennt die Stirn aus und verzeiht nichts.
Wenn du zu dieser Zeit drehen musst, nimm einen dünnen weißen Vorhang oder dreh unter einem Vordach, mit offenem Himmel vor dir als Aufheller. Nie unter einem Baum mit bewegten Blättern: Das Licht flackert und das Video wird unbrauchbar.
Die Regenzeit, geplant
Von Mai bis November sind die Vormittage meist klar und die Nachmittage ziehen zu. Das ist so vorhersehbar, dass sich eine ganze Woche danach planen lässt.
Dreh vormittags, schneide nachmittags. Wer sich so organisiert, liefert das ganze Jahr pünktlich; wer improvisiert, bittet jeden Oktober um Aufschub.
Eine praktische Anmerkung: Bewölkter Himmel ist keine schlechte Nachricht. Er ist ein riesiger kostenloser Diffusor und gibt das schmeichelhafteste Licht, das es für Beautystücke gibt.
Was du kaufst, wenn Tageslicht nicht reicht
Ein LED-Panel mit einstellbarer Farbtemperatur und einen Diffusor. Mit einer einzigen Leuchte in fünfundvierzig Grad zum Gesicht, knapp über Augenhöhe, liegst du schon vor neunzig Prozent dessen, was abgeliefert wird.
Acht auf die Feuchtigkeit: Bewahr Leuchte und Akkus in einer luftdichten Box mit Silicagel auf.
Fehler, die man sofort sieht
Die Deckenlampe zusammen mit dem Fensterlicht: zwei verschiedene Farbtemperaturen und ein schmutziges Bild. Gegen das Licht drehen. Unter grünstichiger Leuchtstoffröhre drehen. Und der Telefonblitz, der alles platt macht.
Auch das Licht des Produkts zählt
Beim Detail dreh das Produkt, bis das Licht es von der Seite trifft. Seitenlicht zeigt Textur, frontales löscht sie. Bei Kaffee, Kosmetik und Essen ist dieser Unterschied die halbe Verkaufsarbeit.
Wie du prüfst, ob es stimmt
Dreh zehn Sekunden und schau sie auf dem Telefon bei minimaler Helligkeit an. Wenn es dort gut aussieht, sieht es auf jedem Bildschirm gut aus.



